Re: Energie kann man einfacher und billiger sparen. - Energie sparen im Wohnzimmer: Mobil-CPUs…
März 20, 2008
> Ein gängiger PC hat zur Zeit eine maximalen Energieverbrauch von
> 200-300 W/h, der aktuelle Golf mit dem kleinsten Benziner oder Diesel
> von 55000 W/h. 1 Stunde Vollgas entspricht fast 8 Tagen
> dauercomputern unter Vollast. OK, man fährt sicher nicht immer mit
> Vollgas, aber trotzdem kommt man nicht annähernd in die Nähe von
> 200-300 W/h. Oder anders ausgedrückt: Die Fahrgemeinschaft zur Arbeit
> spart mehr Energie als alle Stromsparmaßnahmen die man machen kann
> zusammen.
Bitte keine physikalischen Einheiten durcheinanderwerfen! Unter dem
“Energieverbrauch” (übrigens ein physikalisch ungenauer Begriff, da
Energie nur umgewandelt werden kann) versteht man Arbeit pro Zeit,
also Leistung. Die wird in Watt angegeben, nicht in Watt pro Stunde!
Watt pro Stunde wäre Energie pro Zeit pro Zeit, was in den meisten
Fällen eine unsinnige Einheit wäre.
Die Kilowattstunde (kWh) bezeichnet nicht Kilowatt pro Stunde,
sondern Kilowatt mal Stunde, also Leistung mal Zeit. Und Leistung mal
Zeit ist Energie pro Zeit mal Zeit, die Zeit kürzt sich weg, und
übrig bleibt die Energie. Eine Kilowattstunde ist die Energiemenge,
die ein Gerät umsetzt, welches eine Stunde lang ein Kilowatt Leistung
erbringt. Ein anderes Maß für die Energie ist z.B. Joule.
Dein Vergleich stimmt noch aus anderen Gründen nicht. Denn ein
Automotor erbringt auch unter Vollgas nicht immer seine
Maximalleistung. Welche Leistung der Motor tatsächlich erbringt,
hängt allein davon ab, welche an den Rädern abgefordert wird. Stecke
ich im Schlamm fest und die Räder drehen durch, leistet der Motor bei
Vollgas weitaus weniger als unter normalen Umständen auf der Autobahn
ohne Vollgas. Die tatsächliche Maximalleistung erbringt ein Automotor
i.d.R. nur beim maximalen Beschleunigen, welches jedoch nur kurze
Zeit möglich ist, da das Auto ja nicht beliebig schnell werden kann.
Deshalb ist es auch reichlich unsinnig, die Maximalleistung ohne
weiteres als Kriterium für die Energie-Sparsamkeit eines Autos zu
sehen. Ein sparsamer 55-kW-Motor kann ohne weiteres bei normaler
Fahrweise wesentlich weniger Benzin verbrauchen als z.B. ein
25-kW-Käfermotor aus den 70ern. Denn die höhere Leistung wird ja nur
erbracht, wenn sie abgefordert wird.
Weiterhin ist es wenig sinnvoll, für die Ökobilanz allein den
Energiebedarf in Rechnung zu stellen. Viel wichtiger ist, wie die
Energie gewonnen wird und wo sie herkommt. Beispielsweise schneiden
Elektroautos mit wesentlich geringerem Energiebedarf als Autos mit
Verbrennungsmotoren dennoch in der Ökobilanz meist wesentlich
schlechter ab. Der Grund liegt darin, dass der Strom in Kraftwerken
aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird, um anschließend
problematisch zu entsorgenden Batterien gespeichert zu werden,
während die Automotoren die fossilen Brennstoffe direkt verbrennen
und dabei effizienter arbeiten. D.h., solange elektrischer Strom
immer noch maßgeblich aus Kohlekraftwerken stammt, wird beim direkten
Verbrennen im Automotor weniger CO2 erzeugt als bei der Verbrennung
im Kraftwerk mit anschließendem Umweg über Generator, Umspannwerke
etc. zum Elektroauto.
So ineffizient, wie hier jemand es darstellte, arbeiten Automotoren
übrigens gar nicht. Sie setzen je nach Bauart bis zu 45% der Energie
des Treibstoffs in Bewegungsenergie um. Das liegt Welten über der
Dampfmaschine und immer noch weit über den allermeisten elektrischen
Geräten, die wir im Alltag benutzen. Noch effizienter sind allerdings
Elektromotoren, aber hierbei tritt - wie bereits erwähnt - das
Problem auf, dass elektrischer Strom nur über große Verluste zu
gewinnen ist. Ein Elektromotor mit 90% Wirkungsgrad ist also unterm
Strich immer noch ineffizienter als ein Verbrennungsmotor mit 45%
Wirkungsgrad, wenn das Kraftwerk, das den Strom für den Elektromotor
liefert, nur 40% Wirkungsgrad aufweist.
Die Maximalleistung eines Durchschnitts-PCs für einen Vergleich
heranzuziehen, ist natürlich ebensowenig zielführend, da diese
typischerweise kaum Einfluss auf den Durchschnittsverbrauch hat. Viel
wichtiger ist, was der PC in der Idle-Schleife zieht, denn in dieser
befindet er sich bei den meisten Anwendern die meiste Zeit.
> Sicher kann man auch bei Elektrogeräten sparen, und wer kann, sollte
> das auch tun. Aber dort ist es viel schwieriger und meist auch
> teurer. Ein energiesparender Kühlschrank ist in der Regel teurer als
> ein Kühlschrank mit höherem Verbrauch. Ein Kleinwagen mit kleiner
> Maschine ist in der Regel deutlich billiger als ein 100kW-Bolide.
Aber noch nicht einmal zwangsläufig energiesparender. Denn der
100kW-Bolide zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er auch 100 kW
liefern _kann_, wenn man diese Leistung denn abfordert. Tut man das
aber nicht oder nicht ständig, liegt der Durchschnittsverbrauch kaum
über dem des 55kW-Motors.
Was den Kühlschrank anbetrifft, so zählen für seine Ökobilanz
ebenfalls noch viele andere Dinge als der reine Energiebedarf.
Insbesondere fraglich sind die Umweltverträglichkeit des Kühlmittels,
die Zusammensetzung der Dämmstoffe, der Energieaufwand bei der
Herstellung (!) u.v.a.m. Ein Kühlschrank, der aus speziellen
Polymeren mit hervorragenden Dämmeigenschaften besteht, die aber nur
sehr energieintensiv herzustellen sind, ist zwar für den Verbraucher
im Betrieb günstiger, hat aber keine bessere Ökobilanz im Vergleich
zu einem anderen mit höherem Energiebedarf, bei dessen Herstellung
wesentlich weniger Energie aufgewandt wurde - jedenfalls dann nicht,
wenn bei der angenommenen Einsatzzeit (sagen wir, 10 Jahre) die
gesamte “verbratene” Energie des ersten Modells über dem des zweiten
liegt. Und wenn er z.B. aus Fernost importiert wurde, könnte sich
allein das schon nennenswert auf die Energiebilanz auswirken.
Die Energiebilanz eines Produktes auszurechnen, hat sich übrigens als
so kompliziert erwiesen, dass nach wie vor darüber gestritten wird,
ob z.B. Solarzellen eine positive Energiebilanz aufweisen. Wer
einfach nur zwei Zahlen aus dem Datenblatt des Herstellers
nebeneinanderstellt, macht es sich wohl zu einfach.
> Ein Pflanzenölmotor ist sicher ökologisch, aber wenn man davon
> ausgeht, daß die Gesamtenergiemenge, die man ökologisch bereitstellen
> kann sicherlich endlich ist und wahrscheinlich unter dem aktuellen
> Weltenergiebedarf liegt, dann kann man diese Energie sinnvoller
> verwenden, als sie durch den Dieselmotor eines PKW zu jagen. Aber
> solange die Energie kaum einer außer Dir nutzen möchte, schadet
> Autofahren nicht.
Ich sehe das gegenwärtige Energieproblem sowieso nur als
vorübergehend an. Sollten wir in 50 oder auch 100 Jahren über
Kernfusion verfügen, wird jeder soviel Energie bekommen können, wie
immer ihm beliebt. Dann wird niemand mehr von Energiesparen reden.
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