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Renditen etc. - Viel Wind um Energie

Mai 21, 2008

> “Garantiepreise”, ja - garantiert hoch. Und das sie nicht steigen,
> ist noch nicht raus - wie wiet die Kosten für Regelenergie, Netze,
> Speicher etc. steigen werden, wenn die EE insgesamt einen immer
> höheren Anteil an der Energieversorgung erreichen, ist noch lange
> nicht raus.
Das wird durch Wiederholung nicht plausibler.
..
>> Nichts hat in der Vergangenheit krasser versagt und
>> schlimmere Schaeden nach sich gezogen als die freien Maerkte.
>> Dagegen sind Faschismus und Stalinismus harmlos.
> Ich denke, mit einer derart absurden, historisch widerlegten
> ideologischen Grundeinstellung haben wir ein grundsätzliches Problem.
Wir haben da gar kein Problem, hoechstens Du mit Deiner
marktanbetenden Ideologie.
>> Der groesste Massenmord der Weltgeschichte war ein
>> marktwirtschaftlicher: der transkontinentale Sklavenhandel
>> von Afrika nach Amerika. Fuer die Deportation von 12-20
>> Millionen Menschen und ihren Verkauf auf den karibischen,
>> nord- und suedamerikanischen Maerkten im 17.-19. Jahrhundert
>> mussten 150-200 Millionen Menschen sterben.
> Wie für 12 Mio Sklaven bis zu 200 Mio. Menschen sterben sollen, ist
> mir so nicht eingängig.
Die Menschen sind nicht freiwillig zu den Sklavenhaefen gekommen
und haben sich verschiffen lassen. Man hat sie gejagt, und dabei
nur die jungen und gesunden Menschen verschleppt, Alte und oft
auch Kinder getoetet, nachdem man Gegenwehr mit Gewalt gebrochen
hat. Auf den Maerschen zu den Haefen sind noch einmal viele
gestorben, ebenso an den Sammelplaetzen und auf den Schiffen
mit ihren unvorstellbaren Bedingungen. In der Tat wird gerechnet,
dass fuer jeden lebend auf den amerikanischen Sklavenmaerkten
verkauften Menschen mindestens 8-10 umgekommen sind. Der
Kontinent Afrika ist der einzige, in dem zwischen dem 16.
und dem 19. Jahrhundert die Bevoelkerung zurueckgegangen ist.
> - Ein Markt arbeitet immmer zu den Bedingungen seiner Zeit. Sklaverei
> war zu der damaligen Zeit gang und gäbe, und allgemein moralisch
> akzeptiert. ..
> Es ist generell nicht sinnvoll, historische Vorgänge nach heutigen
> Moral- und Gesetzesvorstellungen und Normen zu beurteilen.
Schon zur Zeit von Sklavenhandel und Kolonialismus gab es
Menschen, die das Verbrechen der Sklaverei und der kolonialen
Greuel brandmarkten. Deshalb sind die furchtbaren Umstaende
ja auch ueberliefert.
>> Maerkte muessen ueberwacht, kontrolliert und reguliert werden,
damit
>> sie keine Menschen fressen. Dann kann Marktwirtschaft ein
>> wichtiger Wohlfahrtsfaktor sein.
> Prizipiell stimme ich zu - jedoch muss das Prinzip gelten: so wenig
> Regulierung wie möglich!
Das ist ideologische Voreingenommenheit. Warum soll wenig Regulierung
gut sein? Wenn man den Markt sich selbst ueberlaesst, frisst er
sich selbst: Konkurrenz fuehrt zu Konzentration, Konzentration
zu Kartellen, Monopolen, Preis- und Produktionsabsprachen. Ohne
strenge Verbote (Regulierung wie Kartellrecht) zerstoeren sich
die Maerkte selbst.
> Denn JEDE Marktregulierung:
> - bringt direkt oder indirekt hohe Kosten für die Allgemeinheit
Ausgerechnet von Dir, der Du wissenschaftliche Prognosen ablehnst,
wenn Dir die Ergebnisse nicht in den Kram passen, ist das putzig.
> - hat Nebenwirkungen, die in Art und Ausmaß oft unkalkulierbar sind
Warum sollen sie unkalkulierbar sein? Und warum soll das ungehinderte
Toben des Marktes kalkulierbarer sein? Wie willst Du das ueberhaupt
vorhersagen, wo sich doch Deiner Meinung nach nichts vorhersagen
laesst?
> - und erzwugt nebenbei immmer Ausweichverhalten bei den Menschen
Warum soll es das “immer” tun?
..
> Nur, was haben da
> jahrzehntelange Preisgarantien für Einspeiser mit zu tun???
Zum Beispiel werden damit verdeckte Diskriminierungen durch
externe Kosten, die bei anderen Erzeugern auf die Gesellschaft
ueberwaelzt werden, ausgeglichen. Und es wird eine Markteinfuehrungs-
chance gegeben.
..
> > Das ist Marktreligion.
> Das ist nicht Markt”religion”, sondern Funktion! Sobald Gewinn,
> Profit zu machen ist, kommt der Markt! - Er kommt ja jetzt schon
> -verfrüht-, weil die Politik die Profite garantiert.
Waere es keine Religion, wuerdest Du Dich nicht aufregen.
>> Ich ziehe rationales Vorgehen in der Energiepolitik vor, bei dem
>> man seine Zielvorstellungen nachvollziehbar erlaeutert und
rechtfertigt.
> Rationales Vorgehen? Durch Politiker??? Bei allen Vorbehalten
> gegenüber dem Markt - ich vertraue wirtschaftliche Angelegenheiten
> 10x lieber dem Markt an, als der Politik.
Das sind ja keine rein wirtschaftlichen Angelegenheiten, sondern
solche der Infrastrukturpolitik, der Technologiepolitik und der
Umweltpolitik, und da traue ich der Demokratie bei aller Skepsis
mehr als der Macht wirtschaftlicher Lobbys. In der Demokratie gilt
“One man, one vote”, in der Wirtschaft “one Euro, one vote”.
> Die Politik hat heute diese Zielvorstellungen, morgen wegen eines
> Koalitionspartners andere, und rechtfertigt übermorgen, warum alles
> so doch nicht kommt … .
Dass den Konzernlobbyisten mehr zu trauen sei, ist da aber schon
eine ulkige Sicht der Dinge. Viele der abstossendsten Erscheinungen
in der Politik sind direkte Folge der Einflussnahme der Wirtschaft
auf dieselbe.
>> Die marktwirtschaftlichen Instrumentarien sind dabei gewiss ein
>> wichtiges und wertvolles Regulativ, aber kein Wert an sich.
> Sie sind die mit Abstand effektivste und beste Methode zur Erlangung
> wirtschaftlichen Erfolgs; und daher sollte man sie so wenig wie
> möglich
> beeinträchzigen, denn jede Regulierung reduziert die Effizienz.
Das wieder von jemandem, der behauptet, man koenne nicht
prognostizieren. Schon witzig.
..
> nennst du das “Einstieg”? - Dann soll die Politik für mehr Freiheit
> auf den Märkten sorgen … .
Ja, das musss sie ohnehin stets. Und natuerlich ist das ein Einstieg.
Die erneuerbaren Energien sind nur ein klein wenig vorangekommen
in den vermachteten Energiemaerkten, immerhin gibt es da jetzt
einige mittelstaendische Player, wo bislang die big 4 allein
spielten.
..
> Nochmal: Warum sind dann die Preisgarantien auf Jahre und Jahrzehnte
> fest vorgegeben?
Sie sind ja nicht fest. Sie sind erstens variabel in der Zeit.
Zweitens sind sie begrenzt, bei den WEA u.a. auf wirtschaftliche
Standorte. Drittens fallen sie weg, wenn der Ertrag ueber den
Verguetungssaetzen liegt.
>> Du vergisst zu erwaehnen, dass der Preis fuer Mittagsstrom an den
>> Spotmaerkten schon heute ueber den EE-Einspeisesaetzen liegt.
> Das ist kein Argument. “Mittagsstrom” ist teuer, weil er eine kurze
> Spitze im Stromverbrauch darstellt. Von der Menge her
> vernachlässigbar.
Das ist eine verdammt grosse Menge ueber rund 2 Stunden. Und das ist
sehr wohl ein Argument, denn immerhin wird im Schnitt ueber ein
Drittel der Tagesproduktion von PV in dieser Zeit geerntet.
[ Steckernetzteile ]
> 1. ALLE diese Geräte SIND schon heute netztrennbar, mit einer
> Schaltsteckerleiste aus dem Baumarkt für 2,95 Euro. Einfach, schnell,
> billig gemacht, hat doch jeder für seinen PC-Peripheriekrempel?
Es geht nicht um die energiebewussten Tueftler, sondern die
breite Masse.
Jedenfalls wuerde eine technische Richtlinie das Problem an
der Wurzel loesen. Und im Gigawattbereich Kraftwerkskapazitaet
einsparen.
> 2. In jedes Gleichstrom-Kleingerät einen echten Netztrennschalter
> einzukonstruieren, würde diese wegen Kosten für Schalter, Einbau und
> Konstruktion spürbar teurer machen.
Soweit ich weiss, kostet das einen Bruchteil dessen, was die
Stromverschwendung den Verbraucher kostet. Und wenn es die
Notwendigkeit gaebe, wuerde schnell eine billige Loesung
gefunden.
..
>> Damit hat man eine Kalkulationsgrundlage, aber keine gesicherte
>> Rendite.
> Doch. Weil jetzt, im Moment des Bauens, alle Baukosten fest
> bestimmbar sind, und die Einnahmen für die nächsten 20 Jahre auch
> schon fest stehen.
Tun sie nicht. Ein Sommer wie 2003 kann bis zu einem Viertel der
Einnahmen wegbrechen lassen. Kosten fuer Wartung, Betriebsfuehrung
etc. koennen unkontrolliert steigen. Der Anlagenhersteller kann
pleite gehen -> keine Ersatzteile. Die Kosten fuer den Rueckbau
koennen explodieren. Auch die Kapitalkosten, angenommen, die
Anlage wird nicht Cash bezahlt, koennen sich unerwartet
erhoehen.
>> Wuerden die Preise fuer Beton, Kupfer oder CFT ueber
>> alle Grenzen steigen, wuerden WEA unwirtschaftlich.
> Wieso? Dann baut man halt dann keine neuen WEA mehr. Aber für die
> jetzt gebauten ist es egal, ob später diese Preise steigen, die
..
Das ist falsch. Die bestehenden muessten gewartet und ggfs.
repariert werden. Wenn dann der Generator, der Rotor, die
Steuerung oder die Bauleistung am Turm unbezahlbar waere
..
> Natürlich! WO bitte ist denn noch ein Risiko? Was die Anlage kostet,
> dafür gibt es einen Festpreis vom Bauunternehmen, und was ich die
> nächsten 20 Jahre bekomme, ist auch schon festgelegt - wo, welches
> Risiko soll hier noch irgendwo sein???
Ich schrieb schon einiges. Mal zum Vergleich: Bei den AKW durften
die Betreiber die gesamten Errichtungskosten auf den Strompreis
ueberwaelzen. Deshalb stieg der Strompreis in den sechziger und
siebziger Jahren auch deutlich an. Die WEA-Betreiber muessen mit
den festgelegten Einspeiseverguetungen auskommen. Ob der Standort
gut ist oder sich als schlecht erweist, ob es - im Rahmen des
Klimawandels nicht auszuschliessen - zu einer Folge heisser
windarmer Sommer und kalter windarmer Winter kommt, ob ihr
Lieferant pleite geht oder die Kapitalkosten stark steigen, das
ist ihr Risiko. Und da haben sich auch schon etliche verhoben.
Das ist in der Tat unternehmerisches Risiko, nichts von ge-
sicherter Rendite.
a^2

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