Das Flautenhorrormaerchen - Viel Wind um Energie
Juni 23, 2008
info.org/?p=30″>energiebeliebt, aber reichlich unfundiert
> > Die Tagesleistungen
> > lassen sich schon heute sehr gut aus den Wetterprognosen hervorsagen.
> Aber leider nutzt das wenig. Das Problem ist ja die Schwankung an
> sich und weniger deren Vorhersagbarkeit.
Nein. Das Problem muss ueberhaupt kein wesentliches sein, wenn
der Energiemix so abgestimmt ist, dass Schwankungen ausgeglichen
werden koennen, durch andere Energietraeger und die ueberregionalen
Verbuende. Die Windstromproduktion ist sehr gut modellierbar, auch
unter Nutzung historischer Wetterdaten. Es ist ohne weiteres
moeglich, den Maximalbedarf fuer alle historisch bekannten
Wetteranomalien, besonders sommerliche Hochdrucklagen, zu
berechnen und den Reservebedarf zu planen und vorzuhalten.
> > Die dezentrale Struktur gleicht die üblichen lokalen
> > Wetterschwankungen aus.
> Bei weitem nicht. Eine Flaute in ganz Mitteleuropa ist keine seltene
> Angelegenheit. Und dann sinkt die produzierte Leistung in dieser
> Region halt auf ein paar wenige Prozent. Und da nutzt es auch nicht
> viel, wenn man es einen Tag vorher schon weiss.
Das ist das bekannte inkompetente Geschwafel. Eine Flaute von
Norwegen bis Sizilien, von der Murmansk bis nach Gibraltar,
von der irischen Westkueste bis in die Aegaeis ist eine
geophysikalische Unmoeglichkeit. Das Wettergeschehen ist uebers
Ganze gesehen ein dynamischer Homoeostat: Windstille in der
einen Region impliziert lebhaftere Luftbewegung in der
anderen, an den Raendern eines grossflaechigen Hochdruckgebietes
sind die Winde besonders lebhaft. Wochenlange Hochdrucklagen
in Zentraleuropa gibt es nur, wenn sie durch lebhafte Tiefs
an den Raendern stabilisiert werden.
Das ist dann von Interesse, wenn der Anteil der Windenergie
an der gesamten Stromproduktion europaweit in Groessenord-
nungen von 20 Prozent und darueber rangiert. Ein solcher
Ausbau geschieht in den naechsten zwei Jahrzehnten, mit
ausreichend Zeit, alle Eventualitaeten zu modellieren.
Einen Ausbau des Windstromanteils ueber 25%, maximal 30%
europaweit wird es ohnehin wohl kaum geben, jedenfalls
nicht innerhalb der naechsten 20 Jahre.
Das ist ohnehin nur zu erzielen, wenn die Offshore-Windkraft
in Nord- und Ostsee, dem Mittelmeer, der irischen See und
dem Atlantik genutzt werden. Dafuer ist eine gewisse Infra-
struktur aus Hochspannungs-Gleichstromuebertragungsleitungen
erforderlich, ein Verbund mit dem nordwestafrikanischen
Passatguertelgebiet, wo ein grosses Windstromprojekt in
Entwicklung ist, sinnvoll.
Bei solchen Groessenordnungen an Windstromleistung sind auch
Speichertechnologien notwendig, die bisher wenig realisiert,
aber ausgereifter sind als alle Transmutations- oder Fusions-
traeumereien. Ein so weit ausgebautes System von WEA kann
die eigenen europaweiten Schwankungen weitestgehend selbst
ausregeln, auch Wetteranomalien wie den Sommer 2003.
> > Auch bei einem Kraftwerk ist nicht alles
> > vorhersehbar. Im Extremfall fall gleich mal über 1 GW aus, weil es
> > die Turbine zerfetzt hat.
> Also Peanuts im Vergleich, wenn es z.B. bei stark ausgebauter
> Windenergie es in Mitteleuropa eine Windflaute gaebe.
Eine solche Flaute ist bei einer im kontinentalen Stromverbund
integrierten Windstromproduktion ohne grosse Bedeutung. Wenn
in Deutschland und Frankreich ueber Land wenig Wind weht, weht
er in Nordsee, Skandinavien und dem Atlantik staerker. Bei
ausgebauter Windstromproduktion ist das dann vorwiegend ein
Problem der regionalen WEA-Betreiber. Soweit die solare
Stromproduktion ausgebaut ist, sind tagsueber Wind- und
Sonnenstromproduktion weitgehend komplementaer. Und auch
der Stromverbrauch geht in Europa in erheblichem Masse
mit dem Windangebot: die Zeiten, in denen Flauten wahr-
scheinlich sind, sind Zeiten niedrigeren Strombedarfs.
Und im Unterschied zu Kraftwerksausfaellen ist eine solche
Flaute ueber Wochen vorhersehbar. Im Unterschied zu einem
Kraftwerksausfall (der auch kein grosses Problem ist), oder
der Zerstoerung von Trassen, Knoten und Umspannwerken
(die wirklich gefaehrlich werden koennen), ist sie ohne
grosse Muehe planbar.
> Da faellt
> naemlich nicht einfach ein Kraftwerk aus, sondern es faellt ein
> Grossteil der Windkraftproduktion weg.
Es gaebe immer nur einen Rueckgang oder Wegfall fuer begrenzte
Zeit in begrenzten Raeumen, verbunden mit sinkendem Strombedarf,
steigender Solarstromproduktion am Tage und steigendem Wind-
stromangebot von ausserhalb der Flauteregion.
> > Für solche Fälle wird jetzt auch schon
> > vorgehalten.
> Ja. Und da muesste man bei Windkraft wesentlich mehr vorhalten.
Nein, muesste man nicht. Das Problem besteht nur, weil und wenn
WEA nur in wenigen und wie im Falle der BRD nicht einmal sehr
windreichen Gebieten aufgestellt sind. Die Gegner der erneuer-
baren Energien machen damit Panik.
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