Menschenrecht auf Energie - Alle Optionen offen
September 3, 2008
energieal was mit der SPD zu tun? Ein Fall für Prähistoriker. Das
> Phänomenale an dieser Partei ist, dass sie in voller Klarheit die
> nach unten offene deutsche Skala von Zivilcourage und Prinzipientreue
> repräsentiert (kann man Prinzipien treu sein, die man nicht hat?).
> Man dachte es kann nicht mehr schlimmer kommen und dann kamen
> Scharping, Eichel und Schröder.
Nicht zu vergessen der saubere Herr Lafontaine. Man sollte daran
erinnern, daß die Absenkung der Steuer auf Unternehmensprofite
während seines kurzen Gastspiels als “Superminister” stattfand. Und
so einer bezeichnet sich heute als “links”…
> Statt “Optionen” etwas anderes offen und das bei allen
> beteiligten Politikern und ihren Chefs aus der Energiewirtschaft.
Nicht alles was sich reimt, ist ein Gedicht,
nicht alles was zwei Backen hat, ist ein Gesicht…
Und bei manchen steht halt nicht nur das Maul oder das Scheunentor
offen.
> Im den Staaten des Warschauer Pakts haben sie das ja gemacht. Im
> Winter Heizungan und Fenster auf.
Heute erfrieren im europäischen Ostblock jeden Winter so 1000
Menschen, weil sie sich die teuren Energiepreise nicht mehr leisten
können. Genau das gab es früher nicht. Und das allein legitimiert für
mich ausreichend die Forderung nach billiger Energie.
Statt dieser ganzen nichtsnutzigen Rechte auf “freie
Meinungsäußerung” und ähnlichem Blabla, wäre es mal an der Zeit, ein
“Menschenrecht auf Energie” einzufordern. Von freier Meinungsäußerung
wird die Bude im Winter und auch das Essen nicht warm. Von Atomstrom
schon. Man möge mich für primitiv halten, aber ein gute heiße Suppe
ist mir lieber, als eine schlechte Zeitung.
Ich habe als Student mal bei der Stadt gearbeitet. Akten sortieren in
der “Vergabestelle für Heizkostenzuschüsse” für die Armen. Im Winter
hatte diese Stelle immer viel zu tun, da haben sie halt Leute wie
mich angeheuert. Und was da an an menschlichem Elend aufgekreuzt ist,
und um drei Liter Heizöl oder die Bezahlung der Stromrechnung
gebettelt hat, das kuriert Dich endgültig von dem Glauben, unser
System sei irgendwo gerecht oder gut. Mir hat das schon nach drei
Wochen mehr als gereicht. sowas drückt latent aufs Gemüt. Mein Chef
war dann auch passionierter Alkoholiker, Bürokrat, und er hatte ggü.
seinen “Kunden” ein nur noch “mechanisch” zu nennendes Verhältnis
entwickelt. Wahrscheinlich stumpft man ab, wenn man sich diese
Scheiße jeden Winter aufs Neue geben muß. Auf jeden Fall habe ich
dort meine Meinung dahingehend gefestigt, daß es verboten sein
sollte, jemandem den Strom abzudrehen, nur weil er seine Rechnung
nicht bezahlt hat: Eben ein Grundrecht/Menschenrecht auf Energie.
> Nur im ukrainischen Tschernobyl
> wurde unfreiwillig mit der öffentlichen Heizung etwas übertrieben.
Ja mei. Shit happens. Gewollt hat das niemand.
Und überlege Dir: Es gab auf der Welt bislang ca. 700 Kernreaktoren,
davon sind ca. 450 derzeit im Betrieb (nicht gerechnet bestimmte
geheime Anlagen der Militärs, von denen man zwar weiß, daß es sie
gibt, nicht aber, wieviele es sind).
Diese Reaktoren kommen auf locker 10.000 ungestörte Betriebsjahre.
Es ist nun wirklich eine extreme Verzerrung der Wahrnehmung, wenn man
die zwei-drei schweren Unfälle als Argument gegen die Kernkraft
anführen will. Im deutschen Straßenverkehr sterben *JEDES JAHR* 6.300
Menschen, im nordamerikanischen über 40.000. Soviele gab es nicht bei
Tschernobyl. Und v.a. nicht jedes Jahr wieder aufs Neue. Mit der
Argumentation des Unfallrisikos, der Todesopfer, der Schwerverletzten
und der dauergeschädigten Krüppel, könnte man viel eher die
Abschaffung des automobilen Straßenverkehrs fordern, als nun die
Abschaffung der Kernenergie.
> Übrigens, der Titel diese Posings ist keine zynische Erfindung von
> mir, sondern ein Kernsatz aus dem Strategiepapier der SPD, mit dem
> Schröder groß geworden ist.
Tja, die SPD ist schon eine unangenehme Organisation: Unten lauter
gutgläubige Idioten, und oben machtgeile Psychopathen, die man in
einer Gerechten Welt ™ entweder in die Irrenanstalt oder an die
Wand stellen würde.
> Es ist auch ein psychisches Problem in dieser Gesellschaft, das
> keiner sehen will. Man kann innere Ratlosigkeit, soziale Kälte und
> fehlende Perspektiven nicht beliebig lange mit der Gier “immer mehr”
> kompensieren. Das ist die Psyche des Kleinkindes, die man einer
> pubertären Gesellschaft wir den USA für eine gewissen Zeitraum
> nachsehen muß (schon lange nicht mehr), an der reife Gesellschaften
> wie die europäischen aber auf die Dauer in psychotischer Regression
> ersticken.
Nun: Ich genieße die Annehmlichkeiten, die mir billige Energie
ermöglicht. Ich will diese Annehmlichkeiten niemandem verwehren und
ich will auch meine Annehmlichkeiten nicht aufgeben.
Verzicht zu predigen, wenn man genug hat, ist einfach. Es gibt genug
Leute, die nicht genug haben (by my own low standards): Erst kommt
das Fressen, dann kommt die Moral.
Diogenes mag in der Tonne wohnen, ein Trapistenmönch in seinem
kalten, zugigen Studierzimmer. Ich will es warm und ich will leckeres
Essen und gerne auch andere dekadente Vergnüglichkeiten. Und dafür
braucht man: Energie.
mfG, yossarian
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