schwer beherrschbar? - Viel Wind um Energie
September 16, 2008
> Du verschweigst, daß dieses seit langem bekannte Verfahren,
> der schnelle Brüter ist, der u.a. mit flüssigem Natrium
> gekühlt werden muß und vorsichtig ausgedrückt,
> technisch schwer zu beherrschen ist.
Das ist, vorsichtig ausgedrückt, Unfug. Metallgekühlte Reaktoren
(hauptsächlich Natrium/Kalium und Blei/Wismut) sind inzwischen
routinemäßig im Einsatz, insgesamt wurden 300 Reaktorjahre Erfahrung
gesammelt. Zwei schnelle Brüter (BN-350 und BN-600) waren über 20
Jahre im industriellen Einsatz, einer läuft noch immer. Viele
weitere treiben U-Boote, auch wenn die nicht als Brüter ausgelegt
sind. Nur zwei Reaktoren hatten nennenswerte Probleme (Superphenix
und Monju), bei keinem der viel zitierten Natriumfeuer (übrigens,
Kohle brennt auch und Dampf- oder Staubexplosionen sind auch nichts
lustiges) bestand auch nur die Gefahr, dass Radioaktivität
freigesetzt würde, denn wenn es brennt, brennt es im
Sekundärkreislauf.
Dafür verschweigst du, welche Möglichkeiten metallgekühlte Reaktoren
eröffnen. Sie können im Fehlerfall passiv gekühlt werden und gehen
ohne Eingriff irgendwelcher Sicherheitssysteme in einen stabilen
Zustand über, sie produzieren weniger problematischen Abfall, indem
sie alle Aktinide spalten, sie funktionieren mit einem einfacheren
und viel saubereren Wiederaufarbeitungsverfahren als thermische
Reaktoren und sie erreichen dank höherer Arbeitstemperatur einen
besseren Wirkungsgrad. Außerdem zieht auch das ohnehin unsinnige
Terrorismusargument nicht, weil man diese Reaktoren unterirdisch
bauen würde, da wo es keine FLugzeuge gibt. Frag Google nach dem
“Integral Fast Reactor”, wenn du Details wissen willst.
Darüber hinaus sollte man nicht vergessen, dass der metallgekühlte
schnelle Brüter nicht der einzige Brutreaktor ist. Über 900
Reaktordesigns sind denkbar! (Zugegeben, solche wie der RBMK sind
auch dabei, und die muss man nicht unbedingt in Betracht ziehen.)
Darunter sind bleigekühlte schnelle Brüter (keine Feuergefahr),
Salzschmelzenreaktoren (etwas aufwändig, aber eigentlich sehr
elegante Thoriumbrüter, die außerdem übrig gebliebenes Waffenmaterial
verheizen können) und sogar Leichtwasserbrüter (ebenfalls
Thoriumbrüter, wenngleich sehr knapp und mit Korrosionsproblemen).
> > Danach kommt noch die Fusionsenergie, die reicht für einige 10000
> > Jahre.
> Du hast schon einen funktionierenden Prototypen gesehen, oder?
JET funktioniert bereits. Er liefert zwar netto keine Energie, aber
er funktioniert (was mich im Übrigen ehrlich überrascht). Und wir
haben noch ein paar tausend Jahre, um das hinzukriegen.
> Oder eben auch nicht; der Nachweis, daß es kontrollierbare
> Kernfusion überhaupt JEMALS auf Erden geben wird, steht noch aus.
Ha! Der Nachweis, dass Wind- und Sonnenenergie für eine moderne
Gesellschaft ausreichend sind, allerdings auch. Dieses Messer
schneidet in beiden Richtungen.
Abgelegt unter: Allgemein |